Mit dem Biermösel durch das Jahr
Manfred Rebhandl begleitet uns
ab sofort wöchentlich mit kurzen Lesungen aus seinen Biermösel-Romanen durchs Kalenderjahr!
Das Schwert des Ostens
Manfred Rebhandl
„Es ist nie schön, wenn man Freunde am absteigenden Ast sieht, aber bei Willi dem Schwein hatte die Sache etwas Bitteres. Ein Leben als Gürtelkaiser ist nämlich nur erstrebenswert, solange man jung ist, enge Hosen trägt und das Blei, das einem um die Ohren fliegt, mit den Jackettkronen auffängt. Wenn man aber langsam älter wird und sich die Beißerchen eines nach dem anderen verabschieden, wenn sich die Hämorrhoiden melden und einen Briefe der Pensionistenresidenz Goldene Eichel erreichen, die einem ein freies Plätzchen anbieten, dann sieht man als Gürtelkaiser schnell ein bisschen lächerlich aus, und zwar lächerlicher als jeder andere alte Mann, der ständig aufs Klo rennen muss und mit 70 noch ein geflochtenes Zöpfchen trägt, das ihm bis zum Arsch hinunterhängt.
Angst hatte schon lange keiner mehr vor Willi, und Respekt war den ganzen zugelaufenen Albanern, die sich am Gürtel überall breitmachten und die alten Platzhirsche verdrängten, sowieso ein Fremdwort. Aber es gab noch ein anderes Problem, mit dem Willi sich herumschlagen musste, also sagte ich: „Das riecht mir verdammt nach angeschissenen Windeln. Ist es vielleicht wegen der späten Mütter mit ihren Sacktitten, die jetzt überall ihre im Windkanal getesteten Kinderwägen durch die Gegend schieben und dir wegen deinem Swedish Pornhouse das Leben zur Hölle machen?“
Es gab nichts, was einem alternden Pornokönig mehr zusetzen konnte als diese fanatischen Mütter! Ich bot ihm also an, dass ich ein paar von denen mal die Ohren langziehen würde, aber Willi sagte nur: „Lass lieber, Rock. Es genügt, wenn du heute Abend Lemmy mitbringst. Und sag ihm bitte, er soll die Tabletten mitnehmen. Aber nicht das Zeug für kleine Mädchen, sondern das für Fernfahrer und Bomberpiloten.“


























