Czernin

Meinhard Rauchensteiner

Das kleine ABC des Staatsbesuches

Nebst nützlichen Anweisungen für das Überleben im Staatsdienst

Ein Staatsbesuch ist die höchste Form, die gegenseitige Wertschätzung zweier Staaten auszudrücken. Die Choreographie für einen Staatsbesuch zu schreiben, oder auch nur zu beschreiben, mag verschroben wirken, und mancher Beobachter wird den Kopf schütteln ob der tausend Nebensächlich-keiten, die es zu bedenken, zu formulieren und zu organisieren gilt.

Warum das alles so wichtig ist und wie ein Staatsbesuch im Einzelnen aussieht, weiß niemand besser als Meinhard Rauchensteiner. Er hat alle seit 1999 in Österreich stattgefundenen und von österreichischen Bundespräsidenten im Ausland absolvierten Staatsbesuche mitgestaltet, hautnah erlebt oder geistig durchlitten. In Form eines „Kleinen ABCs“ gewährt er tiefe Einblicke in die Mechanismen staatlicher Repräsentation.

 

Leseprobe:

Klingelzeichen - In dem Moment, in dem der HBP (mit Staatsgast oder ohne) die Präsidentschaftskanzlei betritt, ertönen drei K. Dies gilt für hochkarätige Anlässe ebenso, wie für den Büroalltag. Betritt der Bundeskanzler das Haus, wird zwei Mal geläutet, alle anderen Gäste des HBP werden durch einmaliges Klingeln angekündigt. Bei solchen Feinheiten lässt die angewandte Mathematik nicht lange auf sich warten und fragt, ob dreimaliges Klingeln nicht auch den Bundeskanzler mit Gast (2+1) oder drei andere Gäste (1+1+1) bezeichnen kann? Ein diesbezügliches Reglement steht aus. Noch.